- Von Friedrich Schorb
- 27. Januar 2010 | 11:23
„Dicke Hintern sollst du küssen, denn zum küssen sind sie da“, dichtet der Volksmund schon seit langem. Jetzt erfreuen sich auch Forscherinnen und Forscher an üppigen Gesäßen. Und sie meinen dabei nicht etwa die mühsam antrainierte stählerne Pomuskulatur, sondern tatsächlich labberiges schwabbeliges Fett. Denn: Ein fetter Hintern ist gut für die Gesundheit. Das behauptet jedenfalls das Team um den Mediziner Konstantinos Manolopoulos von der Universität Oxford.
Dumm gelaufen für die Work-Out-Junkies. Denn merke: Was gesund ist, ist schön und umgekehrt. Oder besser gesagt: Was als gesund gilt, gilt als schön und umgekehrt. Deshalb heißen die Fitness-Gazetten ja auch „healthy living“ oder „gesund leben“ und nicht „Fachmagazin zum Erlangen möglicherweise ungesunder aber für viele attraktive Körperformen“.
Zur Langfassung von „Fat for fun“
|
|
Permalink
- Von Friedrich Schorb
- 22. Januar 2010 | 08:47
Konsum ist, die entsprechende Kaufkraft vorausgesetzt, prinzipiell unendlich. Man kann sich mehrere Autos in die Garage stellen, sich unter Schuhbergen lebendig begraben lassen, begehbare Kleiderschränke mit Stoffen aller Art verstopfen, Immobilien sammeln wie andere Leute Briefmarken, ohne Unterbrechung um die Erde jetten und dabei per Atmosfair sogar noch das Klima retten.
Nur die Nachfrage nach Lebensmitteln ist endlich, und das unabhängig von der Kaufkraft. Zwar lassen sich Lebensmittel bis zu einem gewissen Grad veredeln: Wasser, das angeblich bei Vollmond geschöpft wurde, ist teurer als Jahrgangssekt, Himalajasalze kosten mehr als manche exotische Gewürzmischung. Doch auch mit solchen kreativen Strategien lässt sich das Grunddilemma der Lebensmittelindustrie, dass der menschliche Appetit eben doch endlich ist, nicht auflösen. Was also tun, wenn Märkte im wahrsten Sinne des Wortes gesättigt sind? Ganz einfach, man verkauft den Menschen Nahrungsmittel, die eigentlich gar keine mehr sind.
Zur Langfassung von „Bulimischer Kapitalismus II“
|
|
Permalink
- Von Friedrich Schorb
- 20. Januar 2010 | 15:18
Zu meiner Schulzeit wurden wir von unseren Lehrerinnen und Lehrern ermahnt, unsere Pausenbrote nicht in den Mülleimern zu entsorgen, schließlich gäbe es ja vor allem in Afrika genügend Kinder, die nicht genug zu essen hätten. Der Gedanke, dass wir von den vielen Pausenbroten dick und krank werden könnten, war damals noch nicht so weit verbreitet.
Während uns unsere Lehrerinnen und Lehrer dergestalt ermahnten, türmten sich anderswo in der EU, die damals noch EG hieß, die Butterberge, entstanden Weinseen mit den Ausmaßen von Binnenmeeren, wurden minderwertiges aber hochsubventioniertes Gemüse, Innereien und andere Fleischbestandteile, die in Europa keine Abnehmer mehr fanden, auf den afrikanischen Märkten verkauft und versetzten damit den dortigen Kleinbauern endgültig den Todesstoß. Dass Überproduktion und Hunger zwei Seiten der selben marktwirtschaftlichen Medaille sind, wurde uns in der Schule jedenfalls nicht erzählt.
Zur Langfassung von „Bulimischer Kapitalismus I“
|
|
Permalink
- Von Friedrich Schorb
- 19. Januar 2010 | 11:41
Auch wenn’s um Dück und Dinn geht, rässt sich Rinks und Lechts reicht velwechsern.
Wenn es um die Frage nach den Ursachen der Übergewichts-Epidemie geht, dann gibt es in der Öffentlichkeit zwei gängige Erklärungen. Im ersten Fall, gewissermaßen der linken Problemvariante, sind die großen Lebensmittelkonzerne schuld. Gleich ob Zuckerbrause, Schokoladenhersteller oder Fast-Food-Restaurant. Sie alle verführen uns zum Konsum ungesunder Produkte und machen uns dick und unproduktiv. Und besonders betroffen sind natürlich die, die nicht lesen können und deshalb mit Warnfarben vor den falschen Lebensmitteln gewarnt werden müssen. Die, die gar nicht wissen, wie viel Kalorien Pommes mit Mayo und ein großes Glas Cola enthalten, weil es ihnen immer noch niemand gesagt hat und diejenigen, die noch nie vom köstlichen Vollkornbrot und der selbstgekochten Gemüsesuppe gekostet haben, weil die Ärmsten zuhause immer nur Toastbrot mit Nutella und Fertigpizza zu Essen bekommen haben.
Zur Langfassung von „Dück und Dinn“
|
|
Permalink